Lagebericht Bürgschaftsbank Thüringen 2020


1. Darstellung des Geschäftsmodells

1.1 Grundlagen der Bank
Die Bürgschaftsbank Thüringen GmbH(BBT) ist eine Fördereinrichtung der Thüringer Wirtschaft, die sich zum Zielgesetzt hat, vielversprechenden unternehmerischen Ideen des Thüringer Mittelstandes das notwendige Start- bzw. Erweiterungskapital zu verschaffen. Dazu übernimmt sie Bürgschaften gegenüber Banken, Sparkassen und Leasinggesellschaften sowie Garantien gegenüber privaten Kapitalbeteiligungsgesellschaften für den gewerblichen Mittelstand, Freiberufler und für Agrarunternehmen. Dabei orientiert sich die BBT als Förderinstitut sowohl an finanziellen Leistungsindikatoren, wie dem Neugeschäftsvolumen, das sich aus den genehmigten Bürgschaften und Garantien ergibt und dem Betriebsergebnis vor Bewertung, als auch an nicht finanziellen Leistungsindikatoren, wie den mit den Bürgschaften und Garantien geschaffenen bzw. gesicherten Arbeitsplätzen, die im Genehmigungsverfahren entsprechend avisiert wurden.

1.2 Wirtschaftsbericht – Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen
Infolge der Corona-Pandemie geriet die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland in eine der schwersten Rezessionen ihrer Geschichte. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Berichtsjahr um 5 % gegenüber 2019 (Quelle: Statistisches Bundesamt Pressemitteilung vom 14. Januar 2021). Die Corona-Krise hinterließ im Jahr 2020 deutliche Spuren in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Die Tätigkeit wurde sowohl im Dienstleistungssektor als auch im produzierenden Gewerbe teilweise massiv eingeschränkt. Im produzierenden Gewerbe ohne Bau, das gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht, ging die preisbereinigte Wirtschaftsleistung gegenüber 2019 um 9,7 % zurück. Die Industrie war vor allem in der ersten Jahreshälfte von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen, unter anderem durch die zeitweise gestörten globalen Lieferketten. Deutlich zeigte sich der konjunkturelle Einbruch auch in den Dienstleistungsbereichen, die zum Teil so starke Rückgänge wie noch nie verzeichneten. Exemplarisch hierfür steht der zusammengefasste Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe, dessen Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 6,3 % niedriger war als 2019. Dabei gab es durchaus gegenläufige Entwicklungen: Der Onlinehandel nahm deutlich zu, während der stationäre Handel zum Teil tief im Minus war. Die starken Einschränkungen in der Beherbergung und Gastronomieführten zu einem historischen Rückgang im Gastgewerbe um 38%. Ein Bereich, der sich in der Krise behaupten konnte, war das Baugewerbe: Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm hier im Vorjahresvergleich sogar um1,4 % zu. Die Konsumausgaben des Staates wirkten dagegen mit einempreisbereinigten Anstieg von 3,4 % auch in der Corona-Krise stabilisierend, wozu unter anderem die Beschaffung von Schutzausrüstungen und Krankenhausleistungen beigetragen haben (Quelle: Statistisches Bundesamt Pressemitteilung vom 14. Januar 2021).Im Jahr 2020 errechnet sich erstmals seit2011 für den deutschen Staat eine Defizitquote(4,8%). In den Vorjahren war ein Überschuss von 1,5 % (2019) bzw. 1,7%(2018) des Bruttoinlandsproduktes zu verzeichnen. Aufgrund der Corona-Krise sank die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt 2020 auf 44,8 Millionen. Nach vorläufigen Berechnungen waren das rund 477.000 Personen oder 1,1 % weniger als im Vorjahr (Quelle: Statistisches Bundesamt). Im Freistaat Thüringen wird für die Entwicklung der Wirtschaftsleistung für 2020 ebenfalls ein Einbruch erwartet. Infolge der Corona-Pandemie sank die Thüringer Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr 2020um 6,3 % (Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik). Die Zahl der Erwerbstätigen ist gegenüber dem Vorjahr um2,1 % auf 1,024 Mio. gesunken (Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik vom26. Januar 2021). Das Zinsumfeld wird weiterhin bestimmt von einer unveränderten Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Damit können die in den letzten Jahren deutlich gesunkenen Zinserträge der BBT aus den Eigenanlagen keine signifikanten Ergebnisbeiträge mehr leisten. Die Wettbewerbssituation für die Bürgschaftsbank ist im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Im Mittelstandskreditgeschäft besteht trotz Corona ein unverändert spürbarer Wettbewerb zwischen den Kreditinstituten, welcher erfahrungsgemäß auch oft über die Besicherung geführt wird. Die Wettbewerbsprodukte der Thüringer Aufbaubank und der Kreditanstalt für Wiederaufbau grenzen sich grundsätzlich größtenteils durchunterschiedliche Größenklassen und Finanzierungssegmente ab. 2020 kam es hier allerdings durch verschiedene Corona-Maßnahmen zu vermehrten Überschneidungen.

1.3 Geschäftsverlauf der Bürgschaftsbank Thüringen GmbH 
Ausgehend von einem geplanten Jahresergebnis in Höhe von TEUR 406 und einem erwarteten Neugeschäftsvolumen von EUR 42,5 Mio. hat sich folgender Geschäftsverlauf im Jahr 2020 ergeben: Das genehmigte Volumen an neuen Bürgschaften und Garantien konnte erfreulicherweise auf EUR 49,1 Mio. (Vorjahr EUR 44,4 Mio.) gesteigert werden. Insbesondere im Bereich Nachfolgefinanzierungen war eine unverändert starke Nachfrage der Unternehmer respektive der Hausbanken zu konstatieren. Darüber hinaus wurden im Frühjahr 2020 (1. Lockdown) zahlreiche Bürgschaften für Liquiditätshilfe-Finanzierungen herausgelegt. Im Berichtsjahr wurden insgesamt 216 Bürgschaften bzw. Garantien übernommen, womit ein Investitionsvolumen von ca. EUR 87 Mio. ausgelöst und damit 457 neue Arbeitsplätze geschaffen bzw. 3.136 Arbeitsplätze gesichert wurden. Der Bestand an Bürgschaften und Garantien beläuft sich zum Jahresende 2020 auf EUR 255,8 Mio. und liegt damit über dem Vorjahresniveau (EUR 243,9Mio.). Insgesamt werden per Jahresultimo Bankkredite und Beteiligungen für 1.213 Unternehmen in Thüringen abgesichert. Im Rahmen eines Geschäftsbesorgungsvertrages waren Mitarbeiter der Abteilung Beteiligungsgeschäft, der Abteilung Betriebsmanagement, des Geschäftsführungssekretariates und der Abteilung Rechnungswesen/Controlling für die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Thüringen mbH tätig.

2. Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage

2.1. Ertragslage
Das Betriebsergebnis vor Bewertung und vor Steuern in Höhe von TEUR 1.222 hat sich gegenüber dem Vorjahr (TEUR1.322) leicht um 8,0 % verringert, was hauptsächlich in fallenden Zinserträgen abzüglich Zinsaufwendungen (TEUR-106) begründet liegt. Die Verwaltungsaufwendungen liegen deutlich unter der Planung (TEUR 3.942) und bewegen sich zum Stichtag mit TEUR 3.633 auf Vorjahresniveau (TEUR 3.641). Dadurch konnte trotz der nicht erfolgten Ausschüttung aus dem Spezialfonds (Plan: TEUR 340) die ursprüngliche Planzahl für das Betriebsergebnis vor Bewertung von TEUR 1.131 übertroffen werden. Aus der Geschäftsbesorgung der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Thüringen mbH (MBGT) durch die BBT wurde im Geschäftsjahr ein Ertrag in Höhe von TEUR 1.038 (Vorjahr TEUR1.099) erzielt. Der Zinsüberschuss beträgt TEUR 120 (Vorjahr TEUR 226). Auf eine ursprünglich angedachte Teilausschüttung aus dem Spezialfonds wurde wie im Vorjahr verzichtet. Die Erträge aus Bearbeitungsgebühren sowie Bürgschafts-und Garantieprovisionen beliefen sich im Jahr 2020 auf TEUR 3.707(Vorjahr TEUR 3.664). Der Anstieg um TEUR 43 ist auch auf das erhöhte Neugeschäft und auf die damit zusätzlich vereinnahmten Bearbeitungsgebühren zurückzuführen. Der Personalaufwand in Höhe von TEUR 2.506 (Vorjahr TEUR2.516) liegt auf Vorjahresniveau. Die Verringerung gegenüber der ursprünglichen Planzahl von TEUR 2.630 ist vor allem auf das vorzeitige Ausscheiden von Mitarbeitern (Renteneintritt)zurückzuführen, welches zum Planungszeitpunkt noch nicht bekannt war. Im Geschäftsjahr 2020 warenneben der Geschäftsführung durchschnittlich30 Mitarbeiter (Vorjahr 30,davon 5,4 Teilzeitkräfte und eine geringfügig Beschäftigte) angestellt. Die Sachaufwendungen in Höhe von TEUR1.127 sind auf dem Niveau des Vorjahres(TEUR 1.125) und liegen deutlichunter der Planung (TEUR 1.312). Ursächlich hierfür sind insbesondere geringere IT-Kosten aufgrund der Nichtfortführung des gemeinsamen IT-Projektes aller Bürgschaftsbanken. Durch die Corona-Krise hat sich die wirtschaftliche Situation vieler Bürgschaftsnehmer im Jahr 2020 verschlechtert. Die notwendige höhere Risikovorsorge führte zu einem deutlichen Anstieg des negativen Bewertungsergebnisses aus dem Kreditgeschäft auf TEUR 1.973 (Vorjahr: TEUR 687). In 2020 waren Zuführungen von Rückstellungen im Bürgschafts- und Garantiegeschäft von TEUR 3.941 (Vorjahr TEUR 3.456) zu bilden, welche durch Auflösungen in Höhe von TEUR 2.175(Vorjahr TEUR 2.571) teilweise kompensiert werden konnten. Die erzielten Regresserlöse von TEUR 202 liegen unter dem Vorjahreswert von TEUR 249. Vorsorgereserven nach 8 340f HGB wurden in Höhe von TEUR 800 aufgelöst. Mit Einzel- und Pauschalrückstellungen von insgesamt TEUR 13.591 (Vorjahr TEUR12.102) ist für die Risiken aus dem Kreditgeschäft ausreichend Risikovorsorgegetroffen worden. Die Einzelrückstellungen wurden entsprechend 8 253 Abs. 2Satz 1 HGB mit ihrer durchschnittlichen Restlaufzeit zum Stichtag 31. Dezember 2020 abgezinst. Ein Wertpapier der Liquiditätsreserve wurde zum Stichtag aufgrund von Kursschwankungen mit TEUR 4 abgeschrieben und ein Wertpapier mit TEUR 68 auf den Nominalbetrag (entspricht dem Anschaffungskurs) zugeschrieben. Für drei Wertpapiere aus dem Anlagebestand erfolgten Abschreibungen in Höhe von TEUR 42 aufgrund von Kursschwankungen. Alle Papiere werden grundsätzlich bis zur Endfälligkeit gehalten. Für das Geschäftsjahr wird ein positives Jahresergebnis von TEUR 65 (Vorjahr TEUR 637) ausgewiesen, welches unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als zufriedenstellend eingeschätzt wird.

2.2. Vermögens- und Finanzlage
Die Vermögenslage der Bank ist durch die Bilanzsumme zuzüglich Eventualverbindlichkeiten und anderen Verpflichtungen in Höhe von EUR 296,3 Mio. (Vorjahr EUR 287,9 Mio.) gekennzeichnet. Die Eventualverbindlichkeiten und andere Verpflichtungen sind gegenüber dem Vorjahr um EUR 10,5 Mio. gestiegen. Die Bilanzsumme setzt sich auf der Aktivseite wie im Vorjahr hauptsächlich aus den Forderungen an Kreditinstitute (EUR 12,5 Mio.; Vorjahr EUR 21,7 Mio.), aus dem Spezialfonds (EUR 24,2 Mio.; Vorjahr EUR 23,8 Mio.) und aus festverzinslichen Wertpapieren (EUR 16,8 Mio.; Vorjahr EUR 10,3 Mio.) zusammen. Die Forderungen an Kreditinstitute betreffen neben täglich fälligen Forderungen (laufende Kontoführung und Tagesgelder) mit EUR 4,9 Mio. (Vorjahr EUR 3,0 Mio.) vor allem Termingeldanlagen bei drei Kreditinstituten in Höhe von EUR 7,5 Mio., davon EUR 6,5 Mio. bei zwei Gesellschafterbanken (Vorjahr EUR 6,5 Mio.) mit Restlaufzeiten bis zu sechs Jahren. Dem stehen auf der Passivseite hauptsächlich Verbindlichkeiten aus Rückstellungen mit EUR 14,8 Mio. (Vorjahr EUR 13,3 Mio.) und Eigenmittel von EUR 38,8 Mio. (Vorjahr EUR 38,7 Mio.) gegenüber. Bei den Rückstellungen handelt es sich zum überwiegenden Teil um Vorsorgen für Inanspruchnahmen aus dem Bürgschafts- und Garantiegeschäft. Die Eigenmittel der Bank werden sich nach Feststellung des Jahresabschlusses 2020 infolge Gewinnthesaurierung auf EUR 38,8 Mio. (Vorjahr EUR 38,7 Mio.) erhöhen und sind damit für die Risikotragfähigkeit der Bank sowie die Entwicklungsmöglichkeiten für die kommenden Jahre ausreichend bemessen. Die Gesamtkapitalquote nach Artikel 92 CRR lag zum Stichtag bei 63,71 % und im Berichtsjahr jederzeit deutlich über der aufsichtsrechtlich geforderten Untergrenze von 15 % (inklusive SREP-Zuschlag und Kapitalerhaltungspuffer gemäß 8 10 c KWG). Die Eventualverbindlichkeiten vor Absetzung von Einzel- und Pauschalrückstellungen (EUR 255,8 Mio.; Vorjahr EUR 243,9 Mio.) bestehen für Bürgschaften und Garantien. Die Erhöhung gegenüber dem Vorjahr in Höhe von EUR 11,9 Mio. ist auf das starke Neugeschäft in 2020 (EUR 49,1 Mio.) und auf coronabedingte Tilgungsaussetzungen im Bürgschaftsgeschäft zurückzuführen. Die Finanzlage der Bank war in 2020 durch eine stets ausreichende Liquidität gekennzeichnet. Über das Geschäftsjahr hinweg werden ausreichend hohe und kurzfristig verfügbare Bankguthaben unterhalten. Die Vorschriften der Liquiditätsverordnung werden eingehalten. Die Zahlungsbereitschaft war und ist auch zukünftig jederzeit gewährleistet. Zusammenfassend sieht die Geschäftsführung die Vermögens- und Finanzlage der Gesellschaft unverändert als geordnet an.

3. Risikobericht

3.1. Risikomanagementsystem
Die Bürgschaftsbank Thüringen hat als Wirtschaftsförderinstitut die Aufgabe, für kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und für Angehörige der freien Berufe Hausbankkredite zu verbürgen bzw. Beteiligungen zu garantieren. Der Bund und der Freistaat Thüringen geben dafür Rückbürgschaften und Rückgarantien, um so wirtschaftliche Zielsetzungen zu fördern. Dadurch reduziert sich das Eigenrisiko der Bürgschaftsbank Thüringen grundsätzlich auf 30 % des bewilligten Bürgschaftsvolumens. Bei Beteiligungsgarantien beträgt das Eigenrisiko 25 %. Als Reaktion auf die Corona-Krise haben Bund und Land den staatlichen Anteil bis zunächst 30.06.2021 auf 85 % bei Bürgschaften (ab 13.03.2020) und 80 % bei Garantien (ab 01.11.2020) erhöht. Grundlage für die Geschäftstätigkeit der Bank bildet die Geschäfts- und Risikostrategie. Ausgehend von einer Analyse der externen und internen Einflussfaktoren sowie der bestehenden Strukturen hat die Bank die Chancen und Risiken ihrer Geschäftstätigkeit analysiert. Darauf aufbauend wurden für die wesentlichen Geschäftsaktivitäten strategische Ziele festgelegt und Maßnahmen abgeleitet. Ferner erfolgen im Rahmen der Strategie eine Darstellung der wesentlichen Risiken der Bank sowie Erläuterungen zu den wesentlichen Maßnahmen zur Steuerung und Begrenzung dieser Risiken. Für das Risikomanagement bestehen in der schriftlich fixierten Ordnung der Bank ausführliche Dokumente. Insbesondere im Risikohandbuch der Bank werden Ziele, Methoden, Verfahren, Instrumente, Verantwortlichkeiten etc. des Risikomanagements dargestellt. Die Bank hat Arbeitsabläufe installiert, die es ihr ermöglichen, Risiken frühzeitig zu erkennen, zu bewerten, abzumildern und einer ständigen Kontrolle zu unterwerfen.

3.2. Risikotragfähigkeit
Das Risikotragfähigkeitskonzept der Bank beinhaltet die gemäß aufsichtsrechtlichen Vorgaben geforderte Gegenüberstellung der potenziellen Risiken (erwartete und unerwartete Verluste) und der zur Abdeckung dieser Risiken zur Verfügung stehenden Mittel (Risikodeckungsmasse). Die Berechnung erfolgt grundsätzlich vierteljährlich auf Basis eines Fortführungsansatzes für einen Betrachtungszeitraum von jeweils 12 Monaten. Um die Risikosituation der Bank infolge der Corona-Krise zeitnah im Blick zu haben, wurde der Turnus zur Ermittlung der Risikotragfähigkeit beginnend ab April 2020 von quartalsweise auf monatlich verkürzt. Berechnet werden ein Standardszenario und zwei Stressszenarien (historisches und hypothetisches). Zusätzlich werden jährlich Stresstests durchgeführt, bei den Entwicklungen aufgezeigt werden, die den Fortbestand der Bank nachhaltig gefährden könnten bzw. die Auswirkungen eines schweren konjunkturellen Abschwungs auf die Bank betrachtet werden. Für die im Rahmen der Risikotragfähigkeit betrachteten Risiken werden durch die Geschäftsführung Limite festgelegt. Die Limitierung wird nur für das Standardszenario vorgenommen, da dieses zur Steuerung des laufenden Geschäftsbetriebes dient. Mindestens einmal jährlich werden die angewandten Verfahren bzw. Methoden, einzelne Parameter und die Limite für die einzelnen Risiken in den Szenarien überprüft. Über die Ergebnisse der Berechnung der Risikotragfähigkeit werden die Geschäftsleitung monatlich und der Verwaltungsrat im vierteljährlichen Risikobericht ausführlich informiert.

3.3. Risikoarten
Grundlage für ein erfolgreiches Risikomanagement ist die systematische Erfassung und Analyse aller für die Bank wesentlichen Risiken, Im Rahmen der Durchführung der ganzheitlichen Risikoinventur werden alle auf die BBT einwirkenden Risiken betrachtet, auf Veränderungen untersucht und eine Risikobewertung vorgenommen. Die Besonderheit im Jahr 2020 war, dass die Risikoinventur insbesondere unter dem Aspekt der Corona-Pandemie (Krise) und deren Auswirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft, Arbeitsleben etc. durchgeführt wurde und eine Beurteilung der individuellen Risikosituation der Bank in allen Bereichen erfolgt ist. Im Ergebnis der am 1. September 2020 stattgefundenen Risikoinventur hat die Bank für ihre Geschäftstätigkeit auch unter Berücksichtigung von Corona unverändert Adressenausfall- und Marktpreisrisiken sowie operationelle Risiken als wesentlich eingestuft.

3.3.1 Adressenausfallrisiko
Zur Begrenzung des Adressenausfallrisikos im Kreditgeschäft besteht bei Bürgschaften eine Obergrenze von EUR 1,25 Mio. und bei Garantien für Beteiligungen im Regelfall eine Obergrenze von TEUR 900 pro Kreditnehmereinheit. Daneben besteht eine ratingabhängige Begrenzung der Neukreditvergabe. Neue Engagements und Engagementausweitungen sind grundsätzlich nur bis Rating-Klasse 7 des durch die Creditreform AG entwickelten 13- stufigen VDB-Ratingsystems möglich, Nur in begründeten Ausnahmefällen ist die Ratingklasse 8 des 13-stufigen VDB-Ratingsystems zugelassen. Im Segment der Neugründungen ist in begründeten Fällen die Risikoklasse 9 zugelassen. Die Kreditvergabe erfolgt dabei stets im Rahmen einer Einzelfallentscheidung unter Berücksichtigung der Bonität, Kreditwürdigkeit und Zukunftsaussichten der Kreditnehmer auf Basis der internen Arbeitsanweisungen zur Kreditprüfung. Die Überwachung der Adressenausfallrisiken erfolgt im Kreditgeschäft vor allem durch eine regelmäßige Überprüfung des Ratings. Dabei werden alle Engagements mit einem Eigenobligo ab TEUR 75 jährlich mit Hilfe des VDB-Ratingsystems (System der Bürgschaftsbanken) beurteilt. Engagements unterhalb der Grenze von TEUR 75 werden einmal jährlich einem Retailrating unterzogen. Das Retailrating basiert auf Score-Werten der Creditreform Rating AG, welche durch das VDB-Rating zu einem eigenständigen Rating innerhalb des VDB-Ratingsystems verarbeitet werden. Bestandsengagements mit akuten Ausfallrisiken werden in die Abteilung Forderungsmanagement übergeben und dort gesondert überwacht. Adressenausfallrisiken der Bürgschaftsbank im Bürgschafts- und Garantiegeschäft werden durch Einzel- und Pauschalwertrückstellungen in ausreichendem Umfang abgeschirmt. Unter dem Aspekt der für alle mittelständischen Unternehmen und Angehörige der Freien Berufe jederzeit zugänglichen Förderbank verzichtet die BBT auf eine über die oben beschriebene Limitierung der Adressenausfallrisiken hinausgehende Steuerung nach Branchenschwerpunkten, geografischer Streuung oder Größenklassen. Signifikante Branchenrisiken bestanden aufgrund des breit diversifizierten Kreditgeschäftes der BBT bisher nicht. Die Bank hat in 2020 zusätzliche Portfolioauswertungen einschließlich Ausfallsimulationen für die durch die Corona-Pandemie besonders gefährdeten Branchen wie z.B. Beherbergung, Gastronomie, Einzelhandel mit Textilien, Dienstleistungen des Sports, der Unterhaltung und Erholung, Automobilzulieferer vorgenommen und mit den gebildeten Wertberichtigungen abgeglichen. Dabei wurde kein zusätzlicher Wertberichtigungsbedarf identifiziert. Grundlage für die Ermittlung der potenziellen Adressenausfallrisiken für das Bürgschafts- und Garantiegeschäft sind portfoliobezogene Ausfallwahrscheinlichkeiten und Zuführungen zu Einzelrückstellungen der Vorjahre sowie die aus den Vorjahresdaten ermittelten Anpassungsfaktoren für die Ausfallwahrscheinlichkeiten des VDB-Ratings. Aus der Multiplikation von modifizierter Ausfallwahrscheinlichkeit je Ratingklasse und dem Eigenobligo ergibt sich der erwartete Verlust. Zur Bestimmung des unerwarteten Verlustes greift die Bank auf die Methodik des Gordy-Modells (Ein-Faktor-Modell) zurück und verwendet Kalibrierungsfaktoren, die aus der Gordy-Formel für das Mengengeschäft nach den Vorgaben der CRR abgeleitet werden. Dabei wird zu jedem Stichtag ein Konzentrationsmaß für das gesamte Portfolio ermittelt und ein Konfidenzniveau von 95 % unterstellt. Der so ermittelte erwartete und unerwartete Verlust fließt unter Berücksichtigung einer für die Bank anhand historischer Daten ermittelten LGD als Risiko in das Standardszenario ein. Zur Minimierung der Adressenausfallrisiken im Anlagegeschäft sind Festlegungen in der Anlagestrategie der Bank getroffen worden. Geld- und Kapitalmarktgeschäfte dürfen ausschließlich im „Investment-Grade“ Bereich (Moody’s bis Baa 3, Standard & Poors bis BBB-) getätigt werden. Anlagen in Tages- und Termingelder bzw. in Wertpapiere dürfen nur im Rahmen der durch die Geschäftsführung festgelegten Emittenten- und Kontrahentenlimite erfolgen. Den erwarteten Verlust aus den Adressenausfallrisiken im Anlagegeschäft ermittelt die Bank im Standardszenario anhand der durch externe Ratings ermittelten Ausfallwahrscheinlichkeiten unter Berücksichtigung von Migrationsbewegungen in schlechtere Ratingklassen. Darüber hinaus wird der unerwartete Verlust durch den Ausfall einer Adresse mit einer LGD von 45 % berücksichtigt. Es werden sowohl die Adressen aus dem Bürgschafts- und Garantiegeschäft als auch die Adressen im Anlagegeschäft historischen und hypothetischen Stresstests mit deutlich verschärften Parametern und Ausfallsimulationen unterzogen. Das Limit für Adressenausfallrisiken im Standardszenario beträgt unverändert TEUR 5.250 und war zum Bilanzstichtag mit TEUR 3.738 zu 71,2 % (Vorjahr: TEUR 3.178 zu 60,5 %) ausgelastet.

3.3.2 Marktpreisrisiken
Marktpreisrisiken bestehen für die Bank grundsätzlich von den von ihr getätigten Anlagen im Eigenbestand und im Spezialfonds. Dabei ist sichergestellt, dass Eigenhandelsgeschäfte nur im Rahmen klar definierter Rahmenbedingungen und Kompetenzregelungen getätigt werden. Für den Fonds besteht eine separate Anlagestrategie („Anlagerichtlinien“), die regelmäßig überprüft und mit dem Fondsmanagement abgestimmt wird. Potenzielle Verlustrisiken aus Zins-, Spread- und Kursänderungen werden unter Verwendung anerkannter Veränderungsannahmen mindestens vierteljährlich analysiert. Im Zuge der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Geld- und Kapitalmärkte wurde auch hier der Berechnungsturnus auf monatlich verkürzt. Da die im Bankportfolio befindlichen festverzinslichen Wertpapiere in der Regel bis zur Endfälligkeit gehalten werden, bestehen „echte” Marktpreisrisiken hauptsächlich in den im Spezialfonds enthaltenen volatilen Aktienbeständen. Die Quantifizierung erfolgt mittels einem auf historischer Simulation basierenden Verfahren gemäß unseren Vorgaben mit einem Konfidenzniveau von 95 % im Standardszenario. Darüber hinaus werden die Anlagen historischen und hypothetischen Stresstests unterzogen. Das Limit für die Marktpreisrisiken im Standardszenario beträgt gegenüber dem Vorjahr unverändert TEUR 5.750. Das Limit ist zum Bilanzstichtag mit TEUR 4.875 zu 84,8 % ausgelastet (Vorjahr: TEUR 4.399 zu 76,5 %).

3.3.3 Operationelle Risiken
Zur Erfassung der operationellen Risiken, das heißt die Gefahr von Verlusten, die infolge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren und Systemen, Menschen oder infolge externer Ereignisse eintreten, nutzt die Bank eine Schadensfalldatenbank, in welcher alle Schadensfälle ab einer Bruttoschadenshöhe von TEUR 5 erfasst, analysiert und gegebenenfalls Steuerungsmaßnahmen ergriffen werden. Anzahl und Umfang der bisher registrierten Schadensfälle sind gering. In 2020 wurde lediglich ein Schaden über TEUR 55 gemeldet. Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Bank entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen um einerseits die Mitarbeiter zu schützen und andererseits im Ernstfall den Bankbetrieb aufrechterhalten zu können. Im Rahmen der Risikotragfähigkeit wurde für die operationellen Risiken im Standardszenario vereinfacht ein Pauschalwert von TEUR 500 (Vorjahr TEUR 500) festgesetzt, welcher zugleich als Limit fungiert. 3.3.4. Liquiditätsrisiken Da die eingegangenen Bürgschafts- und Garantiegeschäfte der Bank Eventualverbindlichkeiten sind, die grundsätzlich keine Liquidität oder Refinanzierung benötigen, wird das Liquiditätsrisiko als nicht wesentlich für die BBT eingeschätzt und daher nicht in die Risikotragfähigkeitsberechnung einbezogen. Eine angemessene Berücksichtigung in den Risikocontrolling- und Steuerungsprozessen der Bank ist gewährleistet. Dem Risiko unerwarteter Liquiditätsabflüsse durch erhöhte Bürgschafts- bzw. Garantieinanspruchnahmen wird dadurch Rechnung getragen, dass jederzeit eine freie Mindestliquidität in Höhe von EUR 1 Mio. in Form von Sichtguthaben bzw. Tagesgeldern vorzuhalten ist. Darüber hinaus erstellt die Bank vierteljährlich eine detaillierte Liquiditätsplanung inklusive Stresstest auf monatlicher Basis für einen rollierenden Betrachtungszeitraum über 12 Monate. Aufgrund des erwarteten Anstiegs der Ausfallzahlungen in 2021 wird vermehrt freie Liquidität auf laufenden Konten vorgehalten. Der Bestand an liquiden Mitteln betrug zum Bilanzstichtag EUR 4,9 Mio. Darüber hinaus verfügt die Bank über Termingelder in Höhe von EUR 7,5 Mio. Als Liquiditätsreserve wurden zudem der Lagebericht 9 Spezialfonds über EUR 24,8 Mio. (Buchwert) und sechs Wertpapiere über nom. EUR 9,3 Mio. definiert. 3.4. Zusammenfassung Die von der Bank verwendeten Verfahren zur Messung und Steuerung der Risiken sind angemessen auf den Geschäftsbetrieb der Bank sowie auf die Art und die Komplexität der Geschäfte auch im Hinblick auf die Auswirkungen der Pandemie auf die Risikosituation der Bank ausgerichtet. Die Risikotragfähigkeit war im abgelaufenen Geschäftsjahr jederzeit gegeben. Die Berechnung der Risikotragfähigkeit ergab zum Bilanzstichtag eine Auslastung des Gesamtbanklimits von TEUR 11.500 im Standardszenario mit 79,2 % (Vorjahr 70,2 %).

4. Chancen- und Prognosebericht
Das im Prognosebericht zum Jahresabschluss 2019 geplante Neugeschäft für 2020 konnte übertroffen werden. Dabei konnten auch die prognostizierten Zahlen bei den Provisionserträgen leicht überboten werden. Die Entwicklung im Jahr 2021 hängt unmittelbar vom weiteren Verlauf der Corona-Krise ab. Auf der einen Seite wird die Nachfrage nach Bürgschaften aufgrund der erhöhten Risikosensitivität der Hausbanken auch in der Nach-Pandemie-Zeit steigen. Auf der anderen Seite werden Hausbanken generell zurückhaltender agieren bei der Kreditierung von kleinen und mittleren Unternehmen, sofern keine sehr gute Bonität gegeben ist. Des Weiteren ist damit zu rechnen, dass die KfW ihre Förderangebote verlängert/ ausweitet, sofern sich die Krise weiter hinzieht. Dies vorausgeschickt weist der Geschäftsplan beim bewilligten Bürgschafts- und Garantieneugeschäft für 2021 einen Betrag von EUR 42,5 Mio. aus, wodurch erwartete Tilgungen, Rückgaben und Ausfälle von Bürgschaften- und Garantien in Höhe von EUR 44,1 Mio. fast vollständig kompensiert werden können. Hinsichtlich des niedrigen Zinsniveaus am Geld- und Kapitalmarkt wird nicht mit signifikanten Änderungen gerechnet. Es wird in 2021 von gleichbleibenden Provisionserträgen aus dem Bürgschafts- und Garantiegeschäft, einem leicht rückläufigen Ertrag aus dem Geschäftsbesorgungsentgelt der MBGT sowie von sehr niedrigen Zinserträgen aus der Anlage von Eigenmitteln aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase ausgegangen. Wie in den Vorjahren wurde für 2021 zunächst eine Teilausschüttung aus dem Spezialfonds eingeplant. Die Personalkosten werden sich trotz erwarteter Tarifanpassungen durch den Wegfall von zeitweisen Doppelbesetzungen in 2020 für Einarbeitungszeiten von neuen Mitarbeitern als Ersatz für planmäßige Renteneintritte leicht verringern. Bei den Sachkosten wird mit einem deutlichen Anstieg gerechnet. Grund hierfür sind vor allem steigende Kosten für die IT aufgrund regulatorischer Anforderungen sowie gemeinsamer Projekte der Bürgschaftsbanken. Für 2021 wird ein Betriebsergebnis vor Bewertung in Höhe von TEUR 1.274 erwartet, welches leicht über dem Vorjahresniveau liegt (TEUR 1.222). Im Zuge der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf die Wirtschaft wird insbesondere in 2021 mit einem hohen Wertberichtigungsbedarf bzw. weiteren Ausfällen gerechnet. Das Bewertungsergebnis aus dem Kreditgeschäft wurde dementsprechend hoch geplant (TEUR -1.500), damit ist der erwartete Betrag aufgrund der Corona-Krise doppelt so hoch wie der Durchschnitt der letzten Jahre (vor Corona). Zur Ergebniskompensation wurde die Auflösung von Vorsorgereserven in Höhe von TEUR 250 eingeplant, so dass für 2021 aufgrund der dargestellten Erwartungen mit einem gegenüber dem Vorjahr (TEUR 65) leicht geringeren Ergebnis in Höhe von rd. TEUR 24 gerechnet wird. Allerdings können die Auswirkungen der Corona Krise dazu führen, dass sich die prognostizierten Annahmen als nichtzutreffend erweisen. Die Geschäftsführung sieht trotz der aktuellen Situation, die Bank aufgrund ihrer stabilen Vermögens- und Finanzlage in der Lage, in 2021 auch deutlich höhere Wertberichtigungen und Ausfälle als ursprünglich geplant, abfedern zu können. So werden wir auch in Krisenzeiten ein zuverlässiger Risikopartner der Wirtschaft im Freistaat Thüringen sein. Weitere wesentliche Risiken für die Geschäftsentwicklung der BBT werden derzeit nicht gesehen. Auch für die Bürgschaftsbank sind die unter den Stichworten BASEL III und SREP (Supervisory Review and Evaluation Process) summierten Anforderungen an das Eigenkapital von erheblicher Bedeutung. Die Eigenkapitalausstattung der Bank ist für die erhöhten Anforderungen ausreichend bemessen. Durch die Rückbürgschafts-/Rückgarantieerklärungen von Bund und Land für den Zeitraum vom 01.01.2018 bis 31.12.2022 ist die entscheidende Grundlage für unsere Fördertätigkeit gegeben. Die Bürgschaftsbank Thüringen unterstützt auch in Zukunft kleine und mittlere Unternehmen sowie Angehörige der freien Berufe bei der Finanzierung erfolgversprechender Vorhaben und leistet so ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Stärkung Thüringens.

Erfurt, 19. März 2021
Bürgschaftsbank Thüringen GmbH

Michael Burchardt                                                                                            Stefan Schneider