Lagebericht Bürgschaftsbank Thüringen 2021

1. Darstellung des Geschäftsmodells

1.1 Grundlagen der Bank
Die Bürgschaftsbank Thüringen GmbH(BBT) ist eine Fördereinrichtung der Thüringer Wirtschaft, die sich zum Zielgesetzt hat, vielversprechenden unternehmerischen Ideen des Thüringer Mittelstandes das notwendige Start- bzw. Erweiterungskapital zu verschaffen. Dazu übernimmt sie Bürgschaften gegenüber Banken, Sparkassen und Leasinggesellschaften sowie Garantien gegenüber privaten Kapitalbeteiligungsgesellschaften für den gewerblichen Mittelstand, Freiberufler und für Agrarunternehmen. Dabei orientiert sich die BBT als Förderinstitut sowohl an finanziellen Leistungsindikatoren, wie dem Neugeschäftsvolumen, das sich aus den genehmigten Bürgschaften und Garantien ergibt und dem Betriebsergebnis vor Bewertung, als auch an nicht finanziellen Leistungsindikatoren, wie den mit den Bürgschaften und Garantien geschaffenen bzw. gesicherten Arbeitsplätzen, die im Genehmigungsverfahren entsprechend avisiert wurden.

1.2 Wirtschaftsbericht – Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen
Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt(BIP) war im Jahr 2021 nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes(Destatis) um 2,7 % höher als im Jahr 2020. (Quelle: Statistisches Bundesamt Pressemitteilung vom 14.Januar 2022). Im Vergleich zum vorangegangenen Krisenjahr 2020, in dem die Produktion im Zuge der Corona-Pandemieteilweise massiv eingeschränkt worden war, hat sich die Wirtschaftsleistung im Jahr 2021 in fast allen Wirtschaftsbereichen erhöht. Trotz der Zuwächse im Jahr 2021 hat die Wirtschaftsleistung in den meisten Wirtschaftsbereichen noch nicht wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung stieg im Verarbeitenden Gewerbe deutlich um 4,4 % gegenüber dem Vorjahr. Auch die meisten Dienstleistungsbereiche verzeichneten gegenüber 2020 merkliche Zuwächse. So nahm die Wirtschaftsleistung der Unternehmensdienstleister, zu denen Forschung und Entwicklung ,Rechts- und Steuerberater sowie Ingenieurbüros zählen, um 5,4 % zu. Aufgrund der anhaltenden pandemiebedingten Einschränkungen fiel das Wirtschaftswachstum in dem zusammengefassten Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe, mit einem Plus von 3,0 %verhaltener aus. Im Baugewerbe, in dem die Corona-Pandemie im Jahr 2020 keine sichtbaren Spuren hinterlassen hatte, ging die Wirtschaftsleistung 2021 gegenüber2020 leicht um 0,4 % aufgrund von Engpässen bei Arbeitskräften und Material zurück. Der Außenhandel erholte sich 2021 von den starken Rückgängen im Vorjahr. Deutschland exportierte preisbereinigt 9,4 % mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland als2020. Die Importe legten gleichzeitig um preisbereinigt 8,6 % zu. Damit lag der Außenhandel Deutschlands 2021 nur noch leicht unter dem Niveau des Jahres 2019. Die Konsumausgaben des Staates waren auch im Jahr 2021 eine Wachstumsstütze der deutschen Wirtschaft. Sie stiegen trotz des bereits hohen Vorjahresniveaus im zweiten Jahr der Corona-Pandemie preisbereinigt um weitere 3,4 %. (Quelle: Statistisches Bundesamt Pressemitteilung vom 14.Januar 2022). Vor allem durch die vielfältigen Corona-Hilfen errechnet sich im Jahr 2021 das zweithöchste Staatsdefizit(seit der deutschen Wiedervereinigung)mit einer Defizitquote von 4,3 %.Die Zahl der Erwerbstätigen in Höhe von44,9 Mio. im Jahresdurchschnitt 2021beträgt genauso viele Erwerbstätige wie im Vorjahr. (Quelle: Statistisches Bundesamt).Im Freistaat Thüringen ist für die Entwicklung der Wirtschaftsleistung für 2021 ebenfalls mit einem Anstieg zurechnen, wobei dieser dem Trend der letzten Jahre folgend leicht unter dem Bundesdurchschnitt liegen sollte. Die Zahl der Erwerbstätigen ist gegenüber dem Vorjahr um 0,6 % auf 1.019 Mio. gesunken (Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik vom 25. Januar 2022). Das Zinsumfeld wird weiterhin bestimmt von einer unveränderten Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Damit können die in den letzten Jahren deutlich gesunkenen Zinserträge der BBT aus den Eigenanlagen keine signifikanten Ergebnisbeiträge mehr leisten. Die Wettbewerbssituation für die Bürgschaftsbank ist im Vergleich zum Vorjahrunverändert. Im Mittelstandskreditgeschäft besteht trotz Corona ein unverändert spürbarer Wettbewerb zwischen den Kreditinstituten, welcher erfahrungsgemäß auch oft über die Besicherung geführt wird. Die Wettbewerbsprodukte der Thüringer Aufbaubank und der Kreditanstalt für Wiederaufbaugrenzen sich grundsätzlich größtenteils durch unterschiedliche Größenklassen und Finanzierungssegmente ab. 2020 und 2021 kam es hier allerdings durch verschiedene Corona-Maßnahmen zu vermehrten Überschneidungen.

1.3 Geschäftsverlauf der Bürgschaftsbank Thüringen GmbH 
Ausgehend von einem geplanten Jahresergebnis in Höhe von TEUR 24 und einem erwarteten Neugeschäftsvolumen von EUR 42,5 Mio. hat sich folgender Geschäftsverlauf im Jahr 2021 ergeben: Das genehmigte Volumen an neuen Bürgschaften und Garantien konnte erfreulicherweise auf EUR 51,3 Mio. (Vorjahr EUR 49,1 Mio.) gesteigert werden. Insbesondere im Bereich Nachfolgefinanzierungen war eine unverändert starke Nachfrage der Unternehmer respektive der Hausbanken zu konstatieren. Die durchschnittliche Höhe der beantragten Bürgschaften und Garantien ist wie schon in den letzten Jahren weiter angestiegen. Im Berichtsjahr wurden insgesamt 148 Bürgschaften bzw. Garantien übernommen, womit ein Investitionsvolumen von ca. EUR 119 Mio. ausgelöst und damit 418 neue Arbeitsplätze geschaffen bzw. 1.892 Arbeitsplätze gesichert wurden. Der Bestand an Bürgschaften und Garantien beläuft sich zum Jahresende 2021 auf EUR 266,3 Mio. und liegt damit über dem Vorjahresniveau (EUR 255,8 Mio.). Insgesamt werden per Jahresultimo Bankkredite und Beteiligungen für 1.196 Unternehmen in Thüringen abgesichert. Im Rahmen eines Geschäftsbesorgungsvertrages waren Mitarbeiter der Abteilung Beteiligungsgeschäft, der Abteilung Betriebsmanagement, des Geschäftsführungssekretariates und der Abteilung Rechnungswesen/Controlling für die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Thüringen mbH tätig.

2. Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage

2.1. Ertragslage
Das Betriebsergebnis vor Bewertung und vor Steuern in Höhe von TEUR 1.086 hat sich gegenüber dem Vorjahr (TEUR 1.222) um 11,0% verringert, was hauptsächlich auf geringere Erträge aus der Geschäftsbesorgung mit der MBGT (TEUR -130) zurückzuführen ist. Die Verwaltungsaufwendungen liegen unter der Planung (TEUR 3.746) und bewegen sich zum Stichtag mit TEUR 3.653 auf Vorjahresniveau (TEUR 3.633). Unter Berücksichtigung der nicht erfolgten Ausschüttung aus dem Spezialfonds (Plan TEUR 340) konnte die Planzahl für das Betriebsergebnis vor Bewertung (TEUR 1.274) übertroffen werden. Der Zinsüberschuss beträgt TEUR 104 (Vorjahr TEUR 120). Auf eine ursprünglich angedachte Teilausschüttung aus dem Spezialfonds wurde wie im Vorjahr verzichtet. Die Erträge aus Bearbeitungsgebühren sowie Bürgschafts- und Garantieprovisionen beliefen sich im Jahr 2021 auf TEUR 3.781 (Vorjahr TEUR 3.707). Der Anstieg um TEUR 74 ist insbesondere auf den in den letzten beiden Jahren gestiegenen Bürgschaftsbestand zurückzuführen. Aus der Geschäftsbesorgung der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Thüringen mbH (MBGT) durch die BBT wurde im Geschäftsjahr ein Ertrag in Höhe von TEUR 908 (Vorjahr TEUR 1.038) erzielt. Der Personalaufwand in Höhe von TEUR 2.560 (Vorjahr TEUR 2.506) liegt leicht über Vorjahresniveau. Im Geschäftsjahr 2021 waren neben der Geschäftsführung durchschnittlich 29 Mitarbeiter (Vorjahr 30, davon 5,4 Teilzeitkräfte, eine geringfügig Beschäftigte und 0,4 in Elternzeit) angestellt. Die Sachaufwendungen in Höhe von TEUR 1.093 liegen unter dem Niveau des Vorjahres (TEUR 1.127) und deutlich unter der Planung (TEUR 1.280). Ursächlich hierfür sind insbesondere gegenüber der Planung geringere IT-Kosten. Das Bewertungsergebnis aus dem Kreditgeschäft stellt sich trotz der anhaltenden Corona- Krise im Berichtsjahr mit TEUR -600 deutlich besser dar als im Vorjahr (TEUR -1.973). In 2021 waren Zuführungen von Rückstellungen im Bürgschafts- und Garantiegeschäft von TEUR 2.774 (Vorjahr TEUR 3.941) zu bilden, welche durch Auflösungen in Höhe von TEUR 1.906 (Vorjahr TEUR 2.175) teilweise kompensiert werden konnten. Die erzielten Regresserlöse von TEUR 201 liegen auf Vorjahresniveau (TEUR 202). Vorsorgereserven nach § 340 f HGB bestehen unverändert in Höhe von TEUR 670. Mit Einzel- und Pauschalrückstellungen von insgesamt TEUR 13.921 (Vorjahr TEUR 13.591) ist für die Risiken aus dem Kreditgeschäft ausreichend Risikovorsorge getroffen worden. Die Einzelrückstellungen wurden entsprechend § 253 Abs. 2 Satz 1 HGB mit ihrer durchschnittlichen Restlaufzeit zum Stichtag 31. Dezember 2021 abgezinst. Vier Wertpapiere der Liquiditätsreserve wurden zum Stichtag aufgrund von Kursschwankungen mit TEUR 153 abgeschrieben. Für sechs Wertpapiere aus dem Anlagebestand erfolgten Abschreibungen in Höhe von TEUR 90 aufgrund von Kursschwankungen. Alle Papiere werden grundsätzlich bis zur Endfälligkeit gehalten. Für das Geschäftsjahr wird ein positives Jahresergebnis von TEUR 240 (Vorjahr TEUR 65) ausgewiesen, welches unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als zufriedenstellend eingeschätzt wird.

2.2. Vermögens- und Finanzlage
Die Vermögenslage der Bank ist durch die Bilanzsumme zuzüglich Eventualverbindlichkeiten und anderen Verpflichtungen in Höhe von EUR 307,0 Mio. (Vorjahr EUR 296,3 Mio.) gekennzeichnet. Die Eventualverbindlichkeiten und andere Verpflichtungen sind gegenüber dem Vorjahr um EUR 10,1 Mio. gestiegen. Die Bilanzsumme setzt sich auf der Aktivseite wie im Vorjahr hauptsächlich aus den Forderungen an Kreditinstitute (EUR 10,5 Mio.; Vorjahr EUR 12,5 Mio.), aus dem Spezialfonds (EUR 24,2 Mio.; Vorjahr EUR 24,2 Mio.) und aus festverzinslichen Wertpapieren (EUR 19,6 Mio.; Vorjahr EUR 16,8 Mio.) zusammen. Die Forderungen an Kreditinstitute betreffen neben täglich fälligen Forderungen (laufende Kontoführung und Tagesgelder) mit EUR 2,9 Mio. (Vorjahr EUR 4,9 Lagebericht 6 Mio.) vor allem Termingeldanlagen bei drei Kreditinstituten in Höhe von EUR 7,5 Mio., davon EUR 6,5 Mio. bei zwei Gesellschafterbanken (Vorjahr EUR 6,5 Mio.) mit Restlaufzeiten bis zu sechs Jahren. Dem stehen auf der Passivseite hauptsächlich Verbindlichkeiten aus Rückstellungen mit EUR 15,2 Mio. (Vorjahr EUR 14,8 Mio.) und Eigenmittel von EUR 39,0 Mio. (Vorjahr EUR 38,8 Mio.) gegenüber. Bei den Rückstellungen handelt es sich zum überwiegenden Teil um Vorsorgen für Inanspruchnahmen aus dem Bürgschafts- und Garantiegeschäft. Die Eigenmittel der Bank werden sich nach Feststellung des Jahresabschlusses 2021 infolge Gewinnthesaurierung auf EUR 39,0 Mio. (Vorjahr EUR 38,8 Mio.) erhöhen und sind damit für die Risikotragfähigkeit der Bank sowie die Entwicklungsmöglichkeiten für die kommenden Jahre ausreichend bemessen. Die Gesamtkapitalquote nach Artikel 92 CRR lag zum Stichtag bei 63,63% und im Berichtsjahr jederzeit deutlich über der aufsichtsrechtlich geforderten Untergrenze von 22,5% (inklusive SREP-Zuschlag, Kapitalerhaltungspuffer gemäß § 10 c KWG und Einhaltung Eigenmittelzielkennziffer). Die Eventualverbindlichkeiten vor Absetzung von Einzel- und Pauschalrückstellungen (EUR 266,3 Mio.; Vorjahr EUR 255,8 Mio.) bestehen für Bürgschaften und Garantien. Die Erhöhung gegenüber dem Vorjahr in Höhe von EUR 10,5 Mio, ist auf das starke Neugeschäft in 2021 (EUR 51,3 Mio.) sowie auf Corona-bedingte Tilgungsaussetzungen im Bürgschaftsgeschäft zurückzuführen. Die Finanzlage der Bank war in 2021 durch eine stets ausreichende Liquidität gekennzeichnet. Über das Geschäftsjahr hinweg werden ausreichend hohe und kurzfristig verfügbare Bankguthaben unterhalten. Die Vorschriften der Liquiditätsverordnung werden eingehalten. Die Zahlungsbereitschaft war und ist auch zukünftig jederzeit gewährleistet. Zusammenfassend sieht die Geschäftsführung die Vermögens- und Finanzlage der Gesellschaft unverändert als geordnet an.

3. Risikobericht

3.1. Risikomanagementsystem
Die Bürgschaftsbank Thüringen hat als Wirtschaftsförderinstitut die Aufgabe, für kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und für Angehörige der freien Berufe Hausbankkredite zu verbürgen bzw. Beteiligungen zu garantieren. Der Bund und der Freistaat Thüringen geben dafür Rückbürgschaften und Rückgarantien, um so wirtschaftliche Zielsetzungen zu fördern. Dadurch reduziert sich das Eigenrisiko der Bürgschaftsbank Thüringen grundsätzlich auf 30% des bewilligten Bürgschaftsvolumens. Bei Beteiligungsgarantien beträgt das Eigenrisiko 25%. Als Reaktion auf die Corona-Krise haben Bund und Land den staatlichen Anteil bis 30.04.2022 auf 85% bei Bürgschaften (ab 13.03.2020) und 80% bei Garantien (ab 01.11.2020) erhöht. Grundlage für die Geschäftstätigkeit der Bank bildet die Geschäfts- und Risikostrategie. Ausgehend von einer Analyse der externen und internen Einflussfaktoren sowie der bestehenden Strukturen hat die Bank die Chancen und Risiken ihrer Geschäftstätigkeit analysiert. Darauf aufbauend wurden für die wesentlichen Geschäftsaktivitäten strategische Ziele festgelegt und Maßnahmen abgeleitet. Ferner erfolgen im Rahmen der Strategie eine Darstellung der wesentlichen Risiken der Bank sowie Erläuterungen zu den wesentlichen Maßnahmen zur Steuerung und Begrenzung dieser Risiken. Für das Risikomanagement bestehen in der schriftlich fixierten Ordnung der Bank ausführliche Dokumente. Insbesondere im Risikohandbuch der Bank werden Ziele, Methoden, Verfahren, Instrumente, Verantwortlichkeiten etc. des Risikomanagements dargestellt. Die Bank hat Arbeitsabläufe installiert, die es ihr ermöglichen, Risiken frühzeitig zu erkennen, zu bewerten, abzumildern und einer ständigen Kontrolle zu unterwerfen.

3.2. Risikotragfähigkeit
Das Risikotragfähigkeitskonzept der Bank basierte im Berichtsjahr unverändert auf dem Going-Concern-Ansatz „alter Prägung“ und beinhaltet die gemäß aufsichtsrechtlichen Vorgaben geforderte Gegenüberstellung der potenziellen Risiken (erwartete und unerwartete Verluste) und der zur Abdeckung dieser Risiken zur Verfügung stehenden Mittel (Risikodeckungsmasse). Die Berechnung erfolgt grundsätzlich vierteljährlich auf Basis eines Fortführungsansatzes für einen Betrachtungszeitraum von jeweils 12 Monaten. Um die Risikosituation der Bank infolge der Corona-Krise zeitnah im Blick zu haben, wurde der Turnus zur Ermittlung der Risikotragfähigkeit beginnend ab April 2020 bis Oktober 2021 von quartalsweise auf monatlich verkürzt. Berechnet werden ein Standardszenario und zwei Stressszenarien (historisches und hypothetisches). Zusätzlich werden jährlich Stresstests durchgeführt, bei den Entwicklungen aufgezeigt werden, die den Fortbestand der Bank nachhaltig gefährden könnten bzw. die Auswirkungen eines schweren konjunkturellen Abschwungs auf die Bank betrachtet werden. Für die im Rahmen der Risikotragfähigkeit betrachteten Risiken werden durch die Geschäftsführung Limite festgelegt. Die Limitierung wird nur für das Standardszenario vorgenommen, da dieses zur Steuerung des laufenden Geschäftsbetriebes dient. Mindestens einmal jährlich werden die angewandten Verfahren bzw. Methoden, einzelne Parameter und die Limite für die einzelnen Risiken in den Szenarien überprüft. Lagebericht 7 Über die Ergebnisse der Berechnung der Risikotragfähigkeit werden die Geschäftsleitung monatlich und der Verwaltungsrat im vierteljährlichen Risikobericht ausführlich informiert.

3.3. Risikoarten
Grundlage für ein erfolgreiches Risikomanagement ist die systematische Erfassung und Analyse aller für die Bank wesentlichen Risiken. Im Rahmen der Durchführung der ganzheitlichen Risikoinventur werden alle auf die BBT einwirkenden Risiken betrachtet, auf Veränderungen untersucht und eine Risikobewertung vorgenommen. Auch im Berichtsjahr wurde die Risikoinventur insbesondere unter dem Aspekt der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf die Thüringer Wirtschaft durchgeführt. Im Ergebnis der am 8. September 2021 stattgefundenen Risikoinventur hat die Bank für ihre Geschäftstätigkeit unverändert Adressenausfall- und Marktpreisrisiken sowie operationelle Risiken als wesentlich eingestuft.

3.3.1 Adressenausfallrisiko
Zur Begrenzung des Adressenausfallrisikos im Kreditgeschäft besteht bei Bürgschaften eine Obergrenze von EUR 1,25 Mio. (bis 30.04.2022 EUR 2,5 Mio.)und bei Garantien für Beteiligungen im Regelfall eine Obergrenze von TEUR 900 pro Kreditnehmereinheit. Daneben besteht eine ratingabhängige Begrenzung der Neukreditvergabe. Neue Engagements und Engagementausweitungen sind grundsätzlich nur bis Rating-Klasse7 des durch die Creditreform AG entwickelten 13-stufigen VDB-Ratingsystems möglich. Nur in begründeten Ausnahmefällen ist die Ratingklasse 8 des13-stufigen VDB-Ratingsystems zugelassen. Im Segment der Neugründungen ist in begründeten Fällen die Risikoklasse9 zugelassen. Die Kreditvergabe erfolgt dabei stets im Rahmen einer Einzelfallentscheidung unter Berücksichtigung der Bonität, Kreditwürdigkeit und Zukunftsaussichten der Kreditnehmer auf Basis der internen Arbeitsanweisungen zur Kreditprüfung. Die Überwachung der Adressenausfallrisiken erfolgt im Kreditgeschäft vor allem durch eine regelmäßige Überprüfung des Ratings. Dabei werden alle Engagements mit einem Eigenobligo ab TEUR 75 jährlich mit Hilfe des VDB-Ratingsystems (System der Bürgschaftsbanken) beurteilt. Engagements unterhalb der Grenze von TEUR 75 werden einmal jährlich einem Retailrating unterzogen. Das Retailrating basiert auf Score-Werten der Creditreform Rating AG, welche durch das VDB-Rating zu einem eigenständigen Rating innerhalb des VDB-Ratingsystems verarbeitet werden. Bestandsengagements mit akuten Ausfallrisiken werden in die Abteilung Forderungsmanagement übergeben und dort gesondert überwacht. Adressenausfallrisiken der Bürgschaftsbank im Bürgschafts- und Garantiegeschäft werden durch Einzel- und Pauschalwertrückstellungen in ausreichendem Umfang abgeschirmt. Unter dem Aspekt der für alle mittelständischen Unternehmen und Angehörige der Freien Berufe jederzeit zugänglichen Förderbank verzichtet die BBT auf eine über die oben beschriebene Limitierung der Adressenausfallrisiken hinausgehende Steuerung nach Branchenschwerpunkten, geografischer Streuung oder Größenklassen. Signifikante Branchenrisiken bestanden aufgrund des breit diversifizierten Kreditgeschäftes der BBT bisher nicht. Grundlage für die Ermittlung der potenziellen Adressenausfallrisiken für das Bürgschafts- und Garantiegeschäft sind portfoliobezogene Ausfallwahrscheinlichkeiten und Zuführungen zu Einzelrückstellungen der Vorjahre sowie die aus den Vorjahresdaten ermittelten Anpassungsfaktoren für die Ausfallwahrscheinlichkeiten des VDB-Ratings. Aus der Multiplikation von modifizierter Ausfallwahrscheinlichkeit je Ratingklasse und dem Eigenobligo ergibt sich der erwartete Verlust. Zur Bestimmung des unerwarteten Verlustes greift die Bank auf die Methodik des Gordy-Modells(Ein-Faktor-Modell) zurück und verwendet Kalibrierungsfaktoren, die aus der Gordy-Formel für das Mengengeschäft nach den Vorgaben der CRR abgeleitet werden. Dabei wird zu jedem Stichtag ein Konzentrationsmaß für das gesamte Portfolio ermittelt und ein Konfidenzniveau von 95% unterstellt. Der so ermittelte erwartete und unerwartete Verlust fließt unter Berücksichtigung einer für die Bank anhand historischer Daten ermittelten LGD als Risiko in das Standardszenario ein. Zur Minimierung der Adressenausfallrisiken im Anlagegeschäft sind Festlegungen in der Anlagestrategie der Bank getroffen worden. Geld- und Kapitalmarktgeschäfte dürfen ausschließlich im „Investment-Grade“ Bereich (Moody‘s bis Baa 3, Standard & Poors bis BBB-) getätigt werden. Anlagen in Tages- und Termingelder bzw.in Wertpapiere dürfen nur im Rahmen der durch die Geschäftsführung festgelegten Emittenten- und Kontrahentenlimite erfolgen. Den erwarteten Verlust aus den Adressenausfallrisiken im Anlagegeschäft ermittelt die Bank im Standardszenario anhand der durch externe Ratings ermittelten Ausfallwahrscheinlichkeiten unter Berücksichtigung von Migrationsbewegungen in schlechtere Ratingklassen. Darüber hinaus wird der unerwartete Verlust durch den Ausfalleiner Adresse mit einer LGD von 45 %berücksichtigt. Es werden sowohl die Adressen aus dem Bürgschafts- und Garantiegeschäft als auch die Adressen im Anlagegeschäft historischen und hypothetischen Stresstests mit deutlichverschärften Parametern und Ausfallsimulationen unterzogen. Das Limit für Adressenausfallrisiken im Standardszenario beträgt zum Bilanzstichtag TEUR 4.750 und ist mit TEUR 3.672 zu 77,3% ausgelastet (Vorjahr: Limit TEUR 5.250 mit TEUR 3.738 zu 71,2% ausgelastet).

3.3.2 Marktpreisrisiken
Marktpreisrisiken bestehen für die Bank grundsätzlich von den von ihr getätigten Anlagen im Eigenbestand und im Spezialfonds. Dabei ist sichergestellt, dass Eigenhandelsgeschäfte nur im Rahmen klar definierter Rahmenbedingungen und Kompetenzregelungen getätigt werden. Für den Fonds besteht eine separate Anlagestrategie („Anlagerichtlinien*), die regelmäßig überprüft und mit dem Fondsmanagement abgestimmt wird. Für die Ermittlung der Risiken der im Spezialfonds vorhandenen Anlagen wird eine Durchschau vorgenommen, Potenzielle Verlustrisiken aus Zins-, Spread- und Kursänderungen werden unter Verwendung anerkannter Veränderungsannahmen mindestens vierteljährlich analysiert. Da die im Bankportfolio befindlichen festverzinslichen Wertpapiere in der Regel bis zur Endfälligkeit gehalten werden, bestehen „echte“ Marktpreisrisiken hauptsächlich in den im Spezialfonds enthaltenen volatilen Aktienbeständen. Die Quantifizierung erfolgt mittels einem auf historischen Daten basierenden Verfahren gemäß unseren Vorgaben mit einem Konfidenzniveau von 95 % im Standardszenario. Darüber hinaus werden die Anlagen historischen und hypothetischen Stresstests unterzogen. Das Limit für die Marktpreisrisiken im Standardszenario beträgt zum Bilanzstichtag TEUR 6.250 und ist mit TEUR 4.971 zu 79,5 % ausgelastet (Vorjahr: Limit TEUR 5.750 mit TEUR 4.875 zu 84,8 % ausgelastet).

3.3.3 Operationelle Risiken
Zur Identifizierung operationeller Risiken führt die Bank jährlich (zuletzt im September 2021) ein Self-Assessment durch. Die ermittelten Risiken wurden im Rahmen dieser Risikopotenzialanalyse hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und den bei Risikoeintritt zu erwartenden Schäden analysiert. Zur Erfassung der operationellen Risiken, das heißt die Gefahr von Verlusten, die infolge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren und Systemen, Menschen oder infolge externer Ereignisse eintreten, nutzt die Bank eine Schadensfalldatenbank, in welcher alle Schadensfälle ab einer Bruttoschadenshöhe von TEUR 5 erfasst, analysiert und gegebenenfalls Steuerungsmaßnahmen ergriffen werden. Anzahl und Umfang der bisher registrierten Schadensfälle sind gering. In 2021 wurde lediglich ein Schaden über TEUR 5 gemeldet. Im Rahmen der Risikotragfähigkeit wurde für die operationellen Risiken im Standardszenario vereinfacht ein Pauschalwert von TEUR 500 (Vorjahr TEUR 500) festgesetzt, welcher zugleich als Limit fungiert. Bei der Methodik zur Berücksichtigung der operationellen Risiken handelt es sich um einen vereinfachten und entsprechend der Risikopolitik der BBT sehr konservativ geprägten Ansatz.

3.3.4 Liquiditätsrisiken  
Da die eingegangenen Bürgschafts- und Garantiegeschäfte der Bank Eventualverbindlichkeiten sind, die grundsätzlich keine Liquidität oder Refinanzierung benötigen, wird das Liquiditätsrisiko als nicht wesentlich für die BBT eingeschätzt und daher nicht in die Risikotragfähigkeitsberechnung einbezogen. Eine angemessene Berücksichtigung in den Risikocontrolling- und Steuerungsprozessen der Bank ist gewährleistet. Dem Risiko unerwarteter Liquiditätsabflüsse durch erhöhte Bürgschafts- bzw. Garantieinanspruchnahmen wird dadurch Rechnung getragen, dass jederzeit eine freie Mindestliquidität in Höhe von EUR 1 Mio. in Form von Sichtguthaben bzw. Tagesgeldern vorzuhalten ist. Darüber hinaus erstellt die Bank vierteljährlich eine detaillierte Liquiditätsplanung inklusive Stresstest auf monatlicher Basis für einen rollierenden Betrachtungszeitraum über 12 Monate. Im Rahmender rollierenden Liquiditätsplanung wird im Stressszenario der Abfluss von liquiden Mitteln aufgrund verdoppelter Ausfallzahlungen simuliert. Aufgrund der unsicheren Situation bzgl. höherer Ausfälle bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie wird weiterhin vermehrt freie Liquidität auf den laufenden Konten vorgehalten. Der Bestand an liquiden Mitteln betrug zum Bilanzstichtag EUR 2,9 Mio. Darüber hinaus verfügt die Bank über Termingelder in Höhe von EUR 7,5 Mio. Als Liquiditätsreserve wurden zudem der Spezialfonds über EUR24,8 Mio. (Buchwert) und acht Wertpapiere über nom. EUR 11,8 Mio. definiert.

3.4 Zusammenfassung
Die von der Bank verwendeten Verfahren zur Messung und Steuerung der Risiken sind angemessen auf den Geschäftsbetrieb der Bank sowie auf die Art und die Komplexität der Geschäfte auch im Hinblick auf die Auswirkungen der Pandemie auf die Risikosituation der Bankausgerichtet. Die Risikotragfähigkeit war im abgelaufenen Geschäftsjahr jederzeit gegeben. Die Berechnung der Risikotragfähigkeit ergab zum Bilanzstichtag eine Auslastung des Gesamtbanklimits von TEUR 11.500 im Standardszenario mit 79,5 % (Vorjahr 79,2 %). Vor dem Hintergrund gestiegener aufsichtsrechtlicher Anforderungen wird die Bank in2022 ihr Konzept zur Risikotragfähigkeit einschließlich zugehöriger Berechnungen an die regulatorischen Neuregelungen anpassen. Nach dem Bilanzstichtag hat die Ukraine nach dem Angriff durch Russland am 24.02.2022 den Kriegszustand ausgerufen. Die aktuelle Situation ist geprägt von geopolitischen Spannungen, die global in die Volkswirtschaften ausstrahlen. So haben z.B. die Europäische Union sowie die Vereinigten Staaten von Amerika zwischenzeitlich umfangreiche Sanktionspakete verabschiedet, die einen wesentlichen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit und somit auch auf die Wirtschaftlichkeit des Handelns der Marktteilnehmer haben können. Aktuell beobachten und analysieren wir Risikofaktoren bzw. -treiber auf eine etwaige Beeinflussung durch den Russland-Ukraine-Konflikt. Die Kursentwicklungen an den Finanzmärkten und daraus mögliche Auswirkungen auf die Eigenanlagen werden ebenfalls von uns analysiert. Die weitere Entwicklung ist dabei aktuell noch ungewiss. Die Risikotragfähigkeit ist angesichts der laufenden Ertragskraft und der Vermögens-/Substanzsituation der Bank weiterhin gegeben..

4. Chancen- und Prognosebericht
Das im Prognosebericht zum Jahresabschluss 2020 geplante Neugeschäft für 2021 (EUR 42,5 Mio.) konnte mit EUR 51,3 Mio. deutlich übertroffen werden. Dabei konnten auch die prognostizierten Zahlen bei den Provisionserträgen überboten werden. Auf der einen Seite wird die Nachfrage nach Bürgschaften aufgrund der erhöhten Risikosensitivität der Hausbanken hoch bleiben. Auf der anderen Seite werden Hausbanken generell zurückhaltender agieren bei der Kreditierung von kleinen und mittleren Unternehmen, sofern keine sehr gute Bonität gegeben ist. Da die verbesserten Corona- Bürgschaftsbedingungen zum 30.04.2022 enden (u.a. Absenkung Bürgschaftshöchstbetrag pro Kreditnehmer von EUR 2,5 Mio. auf EUR 1,25 Mio.) ist mit einem reduzierten Geschäftsumfang zum Vorjahr zu rechnen. Dies vorausgeschickt weist der Geschäftsplan beim bewilligten Bürgschafts- und Garantieneugeschäft für 2022 einen Betrag von EUR 42,5 Mio. aus, wodurch erwartete Tilgungen, Rückgaben und Ausfälle von Bürgschaften- und Garantien in Höhe von EUR 43,3 Mio. fast vollständig kompensiert werden können. Hinsichtlich des niedrigen Zinsniveaus am Geld- und Kapitalmarkt wird nicht mit signifikanten Änderungen gerechnet. Es wird in 2022 von steigenden Provisionserträgen aus dem Bürgschafts- und Garantiegeschäft, von einem höheren Geschäftsbesorgungsentgelt der MBGT sowie von sehr niedrigen Zinserträgen aus der Anlage von Eigenmitteln aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase ausgegangen. Wie in den Vorjahren wurde für 2022 zunächst eine Teilausschüttung aus dem Spezialfonds eingeplant. Die Personalkosten werden sich aufgrund planmäßiger Renteneintritte leicht verringern. Bei den Sachkosten wird mit einem deutlichen Anstieg gerechnet. Grund hierfür sind vor allem steigende Kosten für die IT aufgrund regulatorischer Anforderungen sowie gemeinsamer Projekte der Bürgschaftsbanken. Für 2022 wird ein Betriebsergebnis vor Bewertung in Höhe von TEUR 1.605 erwartet, welches deutlich über dem Betriebsergebnis für 2021 liegt (TE 1.086). Für das Bewertungsergebnis aus dem Kreditgeschäft wird eingeschätzt, dass dieses mit TEUR -1.000 oberhalb der beobachteten Werte vor der Corona-Pandemie liegt. Für das Geschäftsjahr 2022 wird mit einem deutlich über dem Vorjahr (TE 240) liegenden Ergebnis in Höhe von rd. TEUR 605 gerechnet. Wir weisen darauf hin, dass die zugrundeliegenden Prognosen auf Einschätzungen vor Eintritt des Russland-Ukraine-Konflikts beruhen. Wir analysieren laufend mögliche Auswirkungen auf die Bank und werden die Prognosen anpassen, soweit dies erforderlich ist, Die Geschäftsführung sieht trotz der aktuellen Situation die Bank aufgrund ihrer stabilen Vermögens- und Finanzlage in der Lage, in 2022 auch deutlich höhere Wertberichtigungen und Ausfälle als ursprünglich geplant, abfedern zu können. So werden wir auch in Krisenzeiten ein zuverlässiger Risikopartner der Wirtschaft im Freistaat Thüringen sein. Weitere wesentliche Risiken für die Geschäftsentwicklung der BBT werden derzeit nicht gesehen. Auch für die Bürgschaftsbank sind die unter den Stichworten BASEL III und SREP (Supervisory Review and Evaluation Process) summierten Anforderungen an das Eigenkapital von erheblicher Bedeutung. Die Eigenkapitalausstattung der Bank ist für die erhöhten Anforderungen ausreichend bemessen. Durch die Rückbürgschafts-/Rückgarantieerklärungen von Bund und Land für den Zeitraum vom 01.01.2018 bis 31.12.2022 ist die Grundlage für unsere Fördertätigkeit im Jahr 2022 gegeben. Es ist auf Basis der bereits begonnenen Verhandlungen zwischen dem Verband Deutscher Bürgschaftsbanken und den staatlichen Rückbürgen davon auszugehen, dass es weitere Rückbürgschafts-/ Rückgarantieerklärungen für den Zeitraum 2023 - 2027 geben wird. Die Bürgschaftsbank Thüringen unterstützt auch in Zukunft kleine und mittlere Unternehmen sowie Angehörige der freien Berufe bei der Finanzierung erfolgversprechender Vorhaben und leistet so ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Stärkung Thüringens.

Erfurt, 14. März 2022

Bürgschaftsbank Thüringen GmbH

Michael Burchardt Stefan Schneider