Lagebericht MBG Thüringen


1. Geschäftsverlauf / Allgemeine Rahmenbedingungen

1.1 Grundlagen der Gesellschaft
Aufgabe der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Thüringen mbH (MBGT) ist die Stärkung der Eigenkapitalbasis von mittelständischen Unternehmen im Freistaat Thüringen durch offene und stille Beteiligungen. Als Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft stellt die MBGT in fast jeder Unternehmensphase Beteiligungskapital bis zu einem Regelhöchstbetrag von EUR 1,25 Mio. bereit. Zeitlich befristet (01.11.2020 bis 30.06.2021) oder in begründeten Ausnahmefällen sind auch Beteiligungen bis zu einem Betrag von EUR 2,5 Mio. möglich.

1.2 Wirtschaftsbericht 
Der ausgesprochen schnelle Erholungsprozess der Weltwirtschaft, der den pandemiebedingten Einbruch bereits in den Sommermonaten ein gutes Stück wettgemacht hatte, verlor im Herbst erheblich an Schwung. Ausschlaggebend waren neue Infektionswellen in vielen Teilen der Welt. Die Eindämmungsmaß-nahmen belasteten auch die deutsche Wirtschaft spürbar und führten dazu, dass die wirtschaftliche Erholung in Deutschland im letzten Quartal 2020 einbrach. Die verschärften Eindämmungsmaßnahmen betrafen vor allem freizeit- und kulturbezogene Dienstleistungen, das Gastgewerbe und den stationären Einzelhandel. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Berichtsjahr um 5 % gegenüber 2019 (Quelle: Statistisches Bundesamt Pressemitteilung vom 14. Januar 2021). Die stärkeren Belastungen durch die geltenden strikten Eindämmungsmaßnahmen dürften auch zu einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung im ersten Quartal 2021 führen. Eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft setzt jedoch unverändert eine erfolgreiche Pandemiebekämpfung voraus. Den Bemühungen, die Impfstoffproduktion und -verteilung zu beschleunigen, kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Unverändert hält die EZB an ihrer expansiven Geldpolitik, verbunden mit einer Niedrigzinspolitik fest. Die Aussichten für das laufende Jahr sind weiterhin unsicher, da der Pandemieverlauf die Gefahr von Rückschlägen bietet.

1.3 Geschäftsverlauf 
Im vergangenen Geschäftsjahr betrug das bewilligte Volumen für stille Beteiligungen trotz der pandemiebedingten Unsicherheiten TEUR 5.450 für 14 Unternehmen. Es reichte damit nicht an das Niveau des Jahres 2019 heran (TEUR 7.090 für 21 Unternehmen). Zusätzlich wurden jedoch fünf offene Beteiligungen über TEUR 1.250 (Vorjahr drei offene Beteiligungen mit TEUR 550) genehmigt. Von dem valutierenden Gesamtvolumen entfielen 68 % auf die Industrie, 13 % auf den Einzelhandel, 6 % auf die Informationswirtschaft, jeweils 4 % auf den Groß- und Außenhandel sowie das Dienstleistungsgewerbe, 2 % auf das Handwerk und jeweils 1 % auf das sonstige Gewerbe, Verkehr und Beherbergungsgewerbe. Für vertraglich vereinbarte Beteiligungen konnte die MBGT in 2020 Mittel in Höhe von TEUR 4.001 (Vorjahr TEUR 6.254) auszahlen. Das Kapital floss in 24 Beteiligungsunternehmen (Vorjahr 25 Beteiligungsunternehmen). Dem gegenüber stehen Abgänge in Höhe von TEUR 5.529 (Vorjahr TEUR 6.390). Hierbei handelt es sich um vier planmäßige Rückführungen, jeweils acht vorzeitige Rückführungen und ratierliche Rückführungen bereits fälliger Beteiligungen sowie sechs Ausfälle. Insgesamt sank damit das in Thüringer Unternehmen investierte Kapital der MBGT per Saldo in 2020 um TEUR 1.528 auf TEUR 41.282 zum Bilanzstichtag. Für ein Volumen von TEUR 3.250 (Vorjahr TEUR 500) standen zum Stichtag die Auszahlungsvoraussetzungen aus. Für im Jahr 2020 geschlossene Beteiligungsverträge wurden TEUR 1.681, für 2019 TEUR 2.990 noch nicht ausgezahlt. Die Bürgschaftsbank Thüringen GmbH besorgt die Geschäfte der MBGT, die - mit Ausnahme der Geschäftsführer - über kein eigenes Personal verfügt.-

2. Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage

2.1. Ertragslage
Die MBGT berechnet nach ihren Geschäftsbedingungen und entsprechend den Vereinbarungen in den Gesellschaftsverträgen über die stillen Beteiligungen als Beteiligungsentgelt feste und gewinnabhängige Vergütungen. Die Erträge aus Beteiligungen betrugen TEUR 3.352 und lagen damit um TEUR 324 unter dem Vorjahresniveau (TEUR 3.676). Ursache hierfür ist insbesondere der tendenziell sinkende Marktzins bei den festen Entgelten bei neuen Beteiligungen. Zinserträge für Geldanlagen wurden aufgrund der Zinssituation nicht erzielt. Die Eigenmittel wurden analog zum Vorjahr überwiegend zur Refinanzierung von Beteiligungen verwendet. Die Erträge aus Geschäftsbesorgung in Höhe von TEUR 67 (Vorjahr TEUR 83) resultieren aus der Bearbeitung der Mikromezzaninbeteiligungen. Entsprechend den Regeln aus dem Ge-schäftsbesorgungsvertrag mit der BBT werden ein Teil der festen Entgelte und die Bearbeitungsgebühren an die Bürgschaftsbank in Höhe von TEUR 1.199 zur Deckung der allgemeinen Verwaltungs- und der Personalkosten abgeführt (Vorjahr TEUR 1.299). Die Refinanzierungsaufwendungen sowie die sonstigen Zinsaufwendungen (TEUR 489) sind gegenüber dem Vorjahr um TEUR 93 gesunken (TEUR 582). Im Berichtsjahr bildete die MBGT Einzelwertberichtigungen auf Beteiligungen in Höhe von TEUR 1.230 (Vorjahr TEUR 800). Im Gegenzug konnten Einzelwertberichtigungen in Höhe von TEUR 526 (Vorjahr TEUR 484) aufgelöst werden. Zum Bilanzstichtag ist der einzelwertberichtigte Beteiligungsbestand um TEUR 1.156 auf TEUR 14.993 (Vorjahr TEUR 13.837) gestiegen, was einem Anteil von 36,3 % (Vorjahr 32,3 %) entspricht. Die MBGT erzielte im Berichtsjahr einen Jahresüberschuss von TEUR 580 (Vorjahr TEUR 928). Unter Berücksichtigung der Planung, der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der unverändert vorsichtigen Risikopolitik wird das Ergebnis als gut ein-geschätzt. Der Jahresüberschuss 2020 wurde gemäß § 14 des Gesellschaftsvertrages in die Gewinnrücklage eingestellt.

2.2. Vermögens- und Finanzlage
Die MBGT weist zum 31.12.2020 eine Bilanzsumme von TEUR 44.720 (Vorjahr TEUR 47.174) aus. Die Aktiva bestehen im Wesentlichen aus den stillen Beteiligungen im Finanzanlage-vermögen in Höhe von TEUR 35.871, die im Vergleich zum Vorjahr (TEUR 38.626) um TEUR 2.755 abgenommen haben. Im Umlauf-vermögen sind die Guthaben bei Kreditinstituten mit TEUR 4.370 (Vorjahr TEUR 5.454) und die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände mit TEUR 2.743 (Vorjahr TEUR 2.111) aus-gewiesen. Das Stammkapital von TEUR 9.958 ist vollständig eingezahlt. Unter Hinzurechnung von Kapitalrücklage sowie Gewinnrücklage einschließlich eingestelltem Jahresüberschuss verfügt die Gesellschaft über ein bilanzielles Ei-genkapital in Höhe von TEUR 27.422, das sich gegenüber dem Vorjahresstichtag (TEUR 26.842) um das ausgewiesene Jahresergebnis (TEUR 580) erhöhte. Da-mit ist die Eigenkapitalquote auf 61,3 % (Vorjahr 56,9 %) gestiegen. Die Passiva enthalten des Weiteren fristenkongruent zu den einzelnen Beteiligungen auf-genommene KfW-Refinanzierungsdarlehen in Höhe von TEUR 16.105 (Vorjahr TEUR 19.488) sowie weitere Verbindlichkeiten in Höhe von TEUR 810 (Vorjahr TEUR 453). Der für ERP-Beteiligungsprogramme eingeräumte Kreditrahmen beträgt nach Anpassung im Jahr 2015 TEUR 35.000 für kurz- bis mittelfristigen Refinanzierungsbedarf. Zum 31.12.2020 ist dieser mit TEUR 20.105 (Vorjahr TEUR 25.488) belegt. In den weiteren Verbindlichkeiten sind zur Auszahlung vorgesehene und zur Verfügung durch die NBank gestellte sowie vereinnahmte abzuführende Entgelte an die NBank in Höhe von TEUR 227 (Vorjahr TEUR 193) aus dem Mikromezzaninfonds Deutschland enthalten. Diese werden durch die MBGT treuhänderisch verwaltet. Die Rückstellungen beinhalten die Pensionsrückstellungen für ein ehemaliges Mitglied der Geschäftsführung in Höhe von TEUR 298 (Vorjahr TEUR 302). Für die Gewerbesteuer wurde eine Rückstellung in Höhe von TEUR 1 (Vorjahr TEUR 0) gebildet. Die sonstigen Rückstellungen belaufen sich auf TEUR 84 (Vorjahr TEUR 89). Die Liquidität der Gesellschaft war zu jedem Zeitpunkt gegeben. Basis ist der Bestand an kurzfristig verfügbaren Bankguthaben. Die Liquidität wird weiterhin gesichert durch eine grundsätzliche fristenkongruente Refinanzierung durch die KfW bei Beteiligungszusagen und das Wahlrecht des Abrufs der Refinanzierung innerhalb eines Jahres. Die Geschäftsführung sieht die Vermögens- und Finanzlage als geordnet an.

3. Prognose-, Chancen- und Risikobericht

3.1. Risikobericht
Zur Begrenzung der Adressenausfallrisiken werden Beteiligungen durch die MBGT grundsätzlich unter Hereinnahme von im Regelfall 72 %igen Garantien der BBT eingegangen. Für alle erkennbaren Risiken unter Annahme einer voraussichtlich dauernden Wert-minderung wurde durch die Bildung von Wertberichtigungen Vorsorge ge-troffen. Dem Eigenobligo von TEUR 12.951 (Vorjahr TEUR 12.027) aus den im Bestand befindlichen 145 Beteiligungen (Vorjahr 146 Beteiligungen) und Entgeltforderungen stehen Einzel- und Pauschalwertberichtigungen in Höhe von TEUR 3.847 (Vorjahr TEUR 3.223) gegenüber. Unter Einbeziehung des Eigenkapitals sind alle eventuellen Risiken vollständig abgedeckt. Die seit 01.01.2018 geltenden Rückgarantieerklärungen (Garantieübernahme durch die BBT: 72 % und maximale Laufzeit für Beteiligungsverträge 10 Jahre) wurden am 22.12.2020/ 12.01.2021 rück-wirkend zum 01.11.2020 und zunächst befristet bis zum 30.06.2021 geändert. Die Garantieübernahme durch die BBT beträgt danach im Regelfall 80 %. Die notwendige Risikovorsorge wird dabei durch die Gesellschaft unter Berücksichtigung der Entwicklung der Bonität des Beteiligungsnehmers getroffen. Die Beteiligungen werden jährlich nach Vorlage der Jahresabschlüsse mittels des Ratingsystems des Verbandes Deutscher Bürgschaftsbanken und weitergehen-der Analysen bewertet und laufend im Rahmen des Risikomanagements über-wacht. Die Risikobeurteilung im Neugeschäft erfolgt mittels der zu erstellenden Beteiligungsgutachten des potenziellen Beteiligungsunternehmens. Basis sind die betriebswirtschaftlichen Daten der Unternehmen, Betriebsbesuche und Gespräche mit der Geschäftsleitung. Die Ergebnisse werden mit abschließen-der Stärken-/Schwächen-Analyse den Entscheidungsgremien Beteiligungsausschuss in einer ausführlichen Vorlage vorgelegt. Branchenmäßige Klumpenrisiken sind durch die Tätigkeit in allen Wirtschaftszweigen weitgehend ausgeschlossen. Das Liquiditätsrisiko ist durch das vergleichsweise konstante Geschäft und die jederzeit verfügbaren Bankguthaben gering.

3.2. Chancen- und Prognosebericht
Im Zuge der Bewältigung der Corona-Krise haben Bund und Land mit Wirkung vom 01.11.2020 ihre Bedingungen zur Übernahme von Garantien angepasst. Insbesondere die zunächst angekündigte Möglichkeit der Finanzierung von Betriebsmitteln wurde jedoch stark eingeschränkt. Daher erwarten wir trotz der bestehenden Nachfrage nach Beteiligungen zur Liquiditätsstärkung keine nennenswerten zusätzlichen Impulse für die Vergabe von stillen Beteiligungen. Der Geschäftsklimaindex für Deutschland verschlechterte sich laut ifo Institut im Januar 2021 merklich. Dazu trugen sowohl die Beur-teilung der Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen bei. Die nach wie vor hohe Infektionsdynamik und die vielerorts nochmalige Verschärfung der Eindämmungsmaßnahmen lassen einen schwachen Start in das Jahr 2021 erwarten. Mit der breiteren Verfügbarkeit von Impfstoffen und sukzessiven Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen sollte sich die Wirtschaft wieder erholen; es ist aber auch nicht auszuschließen, dass die Wirtschaftsaktivität erlahmt. Die weiteren Perspektiven bleiben daher eng mit dem Pan-demieverlauf verbunden. Vorzeitige Kündigungen von Beteiligungen liegen für 2021 in Höhe von TEUR 475 vor. Zusätzlich steht die planmäßige Rückzahlung von sechs Beteiligungen mit einem Volumen von TEUR 1.280 an. Für fünf weitere - in 2021 ursprünglich endfällige - Beteiligungen sollen ratierliche Rückführungsverein-barungen getroffen werden. Der Geschäftsplan weist für 2021 ein Neugeschäftsvolumen in Höhe von EUR 8,0 Mio. für stille Beteili-gungen aus. Insgesamt rechnen wir für 2021 auch unter Berücksichtigung der außergewöhnlichen Gesamtsituation mit einem in etwa gleichbleibenden Beteiligungsvolumen für stille Beteiligungen. Der Durchschnitt der festen Entgelte wird weiter leicht sinken, weil die Konditionen an das niedrige Zinsumfeld angepasst wurden. Die Aufwendungen für Refinanzierungen werden sich leicht rückläufig entwickeln, da weniger Refinanzierungsmittel benötigt werden. Die Aufwendungen für die Geschäftsbesorgung durch die Bürgschaftsbank Thüringen GmbH werden sich etwas reduzieren. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen werden sich voraussichtlich leicht verringern, so dass sich das operative Ergebnis 2021 gegenüber dem Vorjahr um ca. 15 % verringern wird. Für 2021 rechnen wir mit einem negativen Bewertungsergebnis, das sich jedoch bei einer positiven Wirtschaftsentwicklung unterhalb des Berichtsjahres bewegen wird. Die Geschäftsführung geht im Vergleich zum Jahresergebnis 2020 auch für das Geschäftsjahr 2021 von einem weiterhin zufriedenstellenden positiven Jahresergebnis aus. Wesentliche Risiken für die Geschäftsentwicklung der MBGT werden derzeit durch die Geschäftsführung nicht gesehen.

Erfurt, 5. März 2021

Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Thüringen mbH

Michael Burchardt Stefan Schneider